#13 Die 9. MaRisk-Novelle im Fokus
Shownotes
Die BaFin hat mit der 9. MaRisk-Novelle einen weitreichenden Entwurf zur Anpassung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement vorgelegt. Doch was bedeutet das für Banken und Finanzdienstleister in der Praxis? Welche Veränderungen kommen auf die Institute zu und welche Themen sollten schon heute auf der Agenda stehen?
In dieser Folge von Compliance Unboxed sprechen wir über die wichtigsten Inhalte der Novelle, ordnen die regulatorischen Entwicklungen ein und diskutieren, welche Chancen und Herausforderungen sich für die Praxis ergeben. Dabei betrachten wir insbesondere, wie sich die Anforderungen an Organisation, Governance und Risikomanagement weiterentwickeln und welche Auswirkungen dies auf Banken haben kann.
Transkript anzeigen
00:00:02: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts Compliance Unboxed.
00:00:22: Schön, dass ihr wieder dabei seid!
00:00:24: Heute sprechen meine Kollegin Vanessa Calignano und ich über ein Thema das aktuell besonders im Fokus steht und viele Institute beschäftigt – die neunte Amarisknovelle, die Anfang April zur Konsultation veröffentlicht wurde.
00:00:37: Dabei geht es nicht nur um einzelne Anpassungen, sondern auch um die Frage welche Auswirkungen die Neuerung konkret auf die Praxis haben und worauf sich Banken- und Finanzdienstseister jetzt einstellen sollten.
00:00:48: Vanessa beschäftigt sich intensiv mit den MRISK-Anforderungen und ist entsprechend tief im Thema.
00:00:53: daher interessieren mich vor allem deine Einschätzung Vanessa.
00:00:56: wie ordnest du die Novelle ein?
00:00:59: Ja heil zusammen!
00:01:00: Ein sehr spannendes Thema und ich glaube um die aktuelle Novelle wirklich einordnen zu können lohnt es sich erstmal einen Schritt zurückzugehen.
00:01:08: Denn bei der MR-Risk ist es oft so, dass man die Begriffe zwar kennt aber was genau dahinter steckt bleibt häufig eher unklar.
00:01:15: Vielleicht starten wir deshalb mal ganz grundlegend.
00:01:18: Esgi wenn du jemandem erklären müsstest was MR- risk eigentlich ist wie würdest du das tun?
00:01:23: Guter Punkt Vanessa.
00:01:24: im Kern ist die MR-risk die konkrete Ausgestaltung von Paragraph Also die Frage, wie muss eine Bank organisatorisch aufgestellt sein damit sie ordnungsgemäß funktioniert?
00:01:37: Und das ist deutlich breiter als viele im ersten Moment vielleicht denken.
00:01:41: Es geht nicht nur um Risiko im quantitativen Sinne sondern um das gesamte Steuerungsmodell einer Bank.
00:01:46: also zum Beispiel wer trifft Entscheidungen Wie werden Risiken identifiziert?
00:01:52: Wie wird kontrolliert aber auch wie wird eskaliert?
00:01:56: Genau und das finde ich wichtig hervorzuheben Weil viele die Emerist nur als Regelwerk sehen.
00:02:02: Dabei beschreibt sie eigentlich das Zielbild einer funktionierenden Organisation und wenn wir das jetzt mal auf die neunte Novelle übertragen, sehen wir ja dass die BAFIN eher die Logik ändert anstelle des Inhalts.
00:02:13: in der Vergangenheit ging es oft darum neue Anforderungen hin zuzufügen also mehr Themen mehr Details und mehr Vorgaben.
00:02:21: Jetzt passiert eher das Gegenteil denn die Bafin sagt Das Regelwerk ist über die Jahre zu komplex geworden auch durch die Integration der Eberleitlinien und wir müssen wieder zurück zu einem stärker prinzipienbasierten Ansatz.
00:02:33: Das heißt, man kann sagen nicht mehr mehr Regulierung sondern anders gedachte Regulierungen.
00:02:39: was ich daran spannend finde.
00:02:41: es geht nicht darum Anforderung abzuschaffen sondern sie anders zu formulieren.
00:02:45: also statt zu sagen du musst genau diesen Prozess haben heißt das jetzt eher Du musst sicherstellen dass das Risiko angemessen gesteuert wird.
00:02:54: Das klingt erstmal nach Vereinfachung weniger Vorgaben, mehr Flexibilität.
00:02:59: Aber was bedeutet das konkret für die Praxis?
00:03:02: Naja in der Praxis wird es erst mal komplexer weil du dir erstmal selbst überlegen musst, was ist für mein Institut eigentlich angemessen und dass es deutlich anspruchsvoller als eine feste Vorgabe einfach umzusetzen.
00:03:14: also das wird häufig unterschätzt.
00:03:16: diese Flexibilitet bedeutet nämlich auch mehr fachliches Verständnis, mehr Argumentationen und mehr Abstimmungsbedarf innerhalb des Instituts.
00:03:24: Zudem ist eine präzise Wortwahl erforderlich, da bereits der Begriff es sicherstellen an die Garantenstellung begründen kann.
00:03:31: Für Rechtsanwender kann dies daher als zu unbestimmt bzw.
00:03:34: missverständlich wahrgenommen werden.
00:03:36: Absolut!
00:03:37: Und hier kommt ein ganz zentrale Aspekt ins Spiel – die sogenannte Begründungslogik.
00:03:41: Es reicht heute eben nicht mehr aus, eine Anforderung einfach nur umzusetzen.
00:03:45: Man muss auch sauber und nachvollziehbar darlegen können warum man sie genau so umgesetzt hat gerade im Hinblick auf Prüfungen.
00:03:52: Und das verändert auch die Perspektive in der Prüfung ganz deutlich.
00:03:56: Früher war vieles sehr binär, also Anforderungen erfüllt ja oder nein.
00:04:00: Heute geht es viel stärker um qualitative Bewertungen, also Fragen wie ist die gewählte Lösung plausibel?
00:04:06: Ist sie konsistent in sich und im Gesamtkontext?
00:04:09: Und passt sie eigentlich zum individuellen Risikoprofil des Instituts?
00:04:13: Genau das macht Prüfungen am Ende auch anspruchsvoller sowohl für Institute als auch für die Aufsicht.
00:04:20: Die Verantwortung verschiebt sich deutlich stärker ins Institut.
00:04:23: Also weg von, die Aufsicht gibt vor hin zu das Institut entscheidet selbst.
00:04:28: und damit sind wir auch beim nächsten großen Thema Proportionalität.
00:04:33: Die BAFIN differenziert stärker nach Institutsgrößen zum Beispiel sehr kleine Institute, kleine Institute und andere weniger bedeutende Institute.
00:04:42: Je nach Kategorie unterscheiden sich dann auch die Anforderungen in ihre Intensität?
00:04:47: heißt das konkret weniger Aufwand für kleinere Institute?
00:04:51: Also wir sehen aktuell eigentlich keinen Rückgang der Anforderungen, sondern vielmehr eine Verschiebung in der Art und Weise wie diese umgesetzt werden sollen.
00:04:59: Es geht weniger um weniger Regulierung, sondern mehr darum die Komplexität in der Ausgestaltung zu reduzieren und die Umsetzung für die Institute praktikabler zu machen.
00:05:09: Konkret bedeutet es zum Beispiel Risikoanalysen sollen nicht mehr in der gleichen Frequenz durchgeführt werden, sondern stärker Anlassbezogen erfolgen.
00:05:17: Qualitative Ansätze gewinnen an Bedeutung.
00:05:19: also weg von rein schematischen Bewertungen hin zu mehrfachlicher Einschätzung und auch im Reporting sehen wir eine Entwicklung hinzu pragmatischeren zielgerichteteren Lösungen mit Fokus auf das Wesentliche.
00:05:31: unter dem Strich weniger Detailverliebtheit in der Umsetzung aber weiterhin ein klarer Anspruch.
00:05:39: Also eher eine Anpassung der Tiefe als eine echte Reduktion.
00:05:42: Das Ziel dahinter ist ja eigentlich klar, Anforderungen sollen zum tatsächlichen Risiko passen aber gleichzeitig entsteht mehr Spielraum und damit auch mehr Interpretationsbedarf.
00:05:52: Genau!
00:05:53: Und das wird spannend.
00:05:54: Wie nutzen Institute diesen Spielraum?
00:05:56: Und wie bewertet die Aufsicht ihnen?
00:05:58: Ein Bereich in dem es besonders sichtbar wird ist die Auslagerung nach AT-Neun.
00:06:03: und da kommt noch ein weiterer wichtiger Aspekt dazu Die Abgretzung zu Dora.
00:06:07: Bisher war oft unklar, was klassische Auslagerung nach Emma-Risk ist und was unter IKT Trittparteienrisiko nach Dora fällt.
00:06:15: Das wird jetzt ganz klar getrennt, denn die IKD Dienstleistungen, die unter Dora fallen werden künftig eigenständig im Dora-Regime betrachtet – das soll vor allem Doppelregulierung vermeiden!
00:06:26: Das heißt aber auch, Institute müssen jetzt sauber klassifizieren.
00:06:29: Also wirklich verstehen welcher Dienst unter welches Regime fällt.
00:06:33: weniger Vorgaben aber deutlich mehr Verantwortung bei der Einordnung.
00:06:37: und genau das ist aktuell einer der größten Herausforderungen.
00:06:40: diese Trennung nicht nur theoretisch zu verstehen sondern auch praktisch umzusetzen
00:06:44: Das ist ja nicht nur fachlich, sondern auch organisatorisch relevant.
00:06:48: Wer entscheidet das im Institut denn überhaupt?
00:06:50: Genau also in der Praxis sind ja meist mehrere Bereiche beteiligt IT, Compliance, Aussageungsmanagement, Risikokontrolling und das erfordert natürlich Abstimmung.
00:06:59: Und damit relativiert sich auch wieder dieser Gedanke weniger Regulierung ist gleich weniger Aufwand.
00:07:05: Ja gerade am Anfang entsteht eher mehr Aufwand weil man eigene Strukturen und Entscheidungslogiken erst mal entwickeln muss statt bestehende Vorgaben einfach umzusetzen.
00:07:14: Und die Logik muss dann ja schlussendlich auch tragfähig sein, sowohl intern als auch gegenüber der Aufsicht.
00:07:20: Genau und das bringt es doch eigentlich auf den Punkt... Mehr Verantwortung im Institut bei gleichzeitig höheren Anforderungen an die Begründung.
00:07:26: Und das verändert letztlich auch die Rolle von Compliance und Risikomanagement.
00:07:30: Das ist ein ganz wichtiger Punkt, denn die Rollen entwickeln sich zunehmend in Richtung einer beratenden Funktion.
00:07:36: Es geht also nicht mehr nur darum Vorgaben zu überprüfen oder einzuhalten sondern vielmehr darum bei der Einordnung zu unterstützen und fundierte Entscheidungen aktiv mitzugestalten.
00:07:46: Compliance wird damit immer stärker zum Sparing-Partner für die Fachbereiche, also jemand der nicht nur kontrolliert sondern wirklich auf Augenhöhe mitdenkt und begleitet.
00:07:55: Und das passt auch sehr gut zur generellen Entwicklung im Aufsichtsrecht!
00:07:59: Wir sehen zunehmend eine Bewegung weg von sehr detaillierten kleinteiligen Regelungen hin zu stärker Prinzipien basierten Vorgaben.
00:08:06: Gleichzeitig steigen aber die Erwartungen an die Institute diese Prinzipien auch sinnvoll und wirksam in der Praxis umzusetzen.
00:08:13: Vielleicht zum Abschluss eine Frage an dich Vanessa Was ist aus deiner Sicht die zentrale Veränderung, die die neunte MR-Risk-Novelle mit sich bringt?
00:08:21: Für
00:08:21: mich ist es ganz klar dieser Paradigmenwechsel.
00:08:24: Weg vom Abarbeiten von Vorgaben hin zu eigenverantwortlichen begründeten Entscheidungen und das betrifft wirklich alle Bereiche.
00:08:32: Ich glaube, die eigentliche Herausforderung kommt jetzt erst also in der Umsetzung unter noch in den kommenden Prüfungen.
00:08:38: Erst kürzlich habe ich diesbezüglich einen Zeitungsartikel gelesen in dem Stand, dass der Entwurf der neunten MRISK-Novelle von den Banken grundsätzlich positiv aufgenommen wird.
00:08:48: Auch die deutsche Kreditwirtschaft bewertet den Entwurf insgesamt positiv sieht jedoch an einigen Stellen noch Nachbesserungsbedarf.
00:08:55: so wird unter anderem kritisch angemerkt das die Barfin beabsichtigt Öffnungsklauseln und Beispiele zu streichen Und genau deshalb wird uns dieses Thema auch in Zukunft weiter begleiten.
00:09:05: Damit vielen Dank, dass ihr heute wieder dabei wart.
00:09:07: Wir hoffen wir konnten euch nicht nur die wesentlichen Inhalte der neuen MRS Novelle näher bringen sondern auch ein Gefühl dafür vermitteln welche Herausforderungen und Chancen sich daraus für die Praxis ergeben!
00:09:18: Wir freuen uns über euer Feedback und eure Themenvorschläge.
00:09:21: Bis zur nächsten Folge von Compliance Unboxed.
Neuer Kommentar